Wandern auf der Via Alpina - Die fünf Teilstrecken
Der rote Weg
Julische Alpen – Karawanken – Karnische Alpen – Dolomiten – Zillertal – Tuxeralpen – Karwendel – Wetterstein – Lechtaleralpen – Allgäu – Rätikon – Silvretta – Rhätische Alpen (Graubünden / Ortler) – Lepontische Alpen (Lombardei / Tessin) – Walliser Alpen – Berner Alpen – Chablais – Mont-Blanc – Grajische Alpen (Aostatal / Vanoise) – Dauphiné – Cottische Alpen (Queyras / Monviso) – Seealpen – Unteres Piemont – Ligurische Alpen.
161 Etappen, mehr als eine ganze Wandersaison durch die acht Staaten: Italien, Slowenien, Österreich, Deutschland, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Monaco.
Der rote Weg ist eine Verbindungsroute zwischen den acht Alpenstaaten. Er überquert mehrmals den Alpenhauptkamm, um Triest mit Monaco über Bayern und Liechtenstein zu verbinden. Der Wanderer kann unterwegs, insbesondere in den zahlreichen Natur- uns Nationalparks, die Dimension der Alpen als größten europäischen Naturraum begreifen und die Vielfältigkeit von Fauna, Flora und Landschaften entdecken. Der Weg berührt viele der höchsten Berge: Triglav, Drei Zinnen, Hochfeiler, Zugspitze, Silvretta, Bernina, Montblanc, die Gletscher der Vanoise, die Barre des Ecrins... Aber er führt auch, weit vom Gedränge, zu den abgelegenen Dörfern der Julischen und Karnischen Alpen, des Tessins und der Westalpen.
Die Via Alpina führt von Triest, wo sich die verschiedensten kulturellen Einflüsse vermischen – illyrische, römische, slawische, venezianische, habsburgische...- bis zum Fürstentum Monaco, das sich zwischen See und Gebirge erstreckt und auf dem eigenen Boden außerordentlich viele historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten, aber auch ein hochkarätiges Freizeitangebot beherbergt.
Holzchalets und Steinhütten, Berghütten, lebendige Ortschaften und Städtchen wechseln sich ab. Der rote Weg ist auch ein Weg der Sprachen, Zeuge der historischen Rolle der Alpenpässe als wichtigste Austauschrouten. Die Dialekte entwischen den Verwaltungsgrenzen, so wird entlang der Via Alpina Deutsch, Italienisch, Französisch, Slowenisch, aber auch Romanisch, Ladinisch, Walser, Franco-Provenzalisch und Okzitanisch gesprochen. Der Weg überquert 44 Mal die nationalen Grenzen, aber auch Grenzen der Vergangenheit, wo Militärruinen daran erinnern, dass unsere friedlichen Berge allzu oft Schauplatz langer Schlachten waren.
Der violette Weg
Östliche Julische Alpen – Steiner Alpen – Karawanken – Steirische Alpen – Niedere Tauern – Dachstein – Salzburger Alpen – Berchtesgadener Alpen – Chiemgauer Alpen – Bayrische Voralpen – Ammergauer Alpen – Allgäu.
66 Etappen durch drei Länder: Slowenien, Österreich, Deutschland.
Der violette Weg bietet sich zur Erkundung der östlichen Kalkalpen, von den Karawanken bis in das Allgäu an. Im Herzen des Triglav biegt er vom roten Weg nach Osten ab. Abseits der viel begangenen Wege, durch die Kalkhochebenen, trifft er auch neun der zehn österreichischen Weitwanderwege: Somit wird die Via Alpina in ein Wegenetz integriert, das bis nach Wien und zu den Grenzen mit Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik führt.
In Bayern folgt die Via Alpina größtenteils den Maximiliansweg, der an die Alpendurchquerung des bayrischen Königs Maximilian II anno 1858 erinnert. Der Weg verbindet zahlreiche touristische Stätten miteinander so z .B. den Nationalpark Berchtesgaden rund um den Königssee, die Königsschlösser von Ludwig II (Maximilians Sohn), sowie sakrale Gebäude insbesondere der Barock- und Rokoko-Epoche.
Der gelbe Weg
Westliche Julische Alpen – Karnische Alpen – Dolomiten – Ötztal – Lechtaler Alpen – Allgäu.
40 Etappen durch drei Länder: Italien, Österreich, Deutschland.
Der gelbe Weg führt den Wanderer von Meereshöhe bis auf 3000 m, von der Adriaküste bis zu den Weiden des Allgäus, vom Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen in Bozen bis zur unberührten Natur des Lechtals, von den einst vom Ozeangrund aufgetauchten Dolomiten bis zur Heimat von Ötzi, "dem Mann aus dem Eis" vom Similaun: eine kontrastreiche Überquerung.
Beim Start in Triest wird das Landschaftsbild von zahlreichen Architekturdenkmälern unterschiedlicher Epochen und den für Karstgebieten charakteristischen Naturmonumenten geprägt: Höhlen, Schluchten und Bäche. In den Dolomiten kreuzt der Weg mehrere traditionelle Wanderrouten zwischen Friaul und Kärnten; es bieten sich somit zahlreiche Möglichkeiten für Rundwege zwischen dem roten und dem gelben Weg der Via Alpina. In Bozen angekommen orientiert sich die Via Alpina nach Norden (eine Verbindung nach Westen mit dem Nationalpark Stilfser Joch ermöglicht es den roten Weg über die Alpensüdseite zu erreichen).
Am Niederjoch (3017 m) erreicht der Weg den höchsten Punkt der Via Alpina, in unmittelbarer Nähe der Ötzi Fundstelle. Ein markanter Landschaftswechsel vollzieht sich mit der Überquerung des größten Gletschergebiets Europas, der Ötztaler Alpen, bevor der Weg in die bewaldeten Höhen des Inntals hinunterführt. Dann verläuft er wieder im Kalkstein, diesmal im almwirtschaftlich geprägten Allgäu, bis zum Treffpunkt der gelben, roten und violetten Wege in Oberstdorf in Bayern.
Der grüne Weg
Rätikon – Zentralschweiz – Berner Alpen.
13 Etappen durch zwei Länder: Liechtenstein und die Schweiz.
Der grüne Weg ist die kürzeste Via Alpina Teilstrecke. Der Weg kann während einem Urlaubsaufenthalt begangen oder als Abkürzung einer Gesamtüberquerung von Triest nach Monaco genutzt werden.
Ausgehend vom flächenmäßig zweitkleinsten Alpenstaat, dem Fürstentum Liechtenstein, überquert dieser Weg das Rheintal und folgt dann in der Schweiz der berühmten Alpenpassroute, wobei er bei jeder Etappe das Tal wechselt. Die Vielfalt der Landschaft ist dabei unbeschreiblich. Der grüne Weg führt entlang der drei symbolischen Gipfel des Berner Oberlandes: Eiger, Mönch und Jungfrau.
Der blaue Weg
Walliser Alpen – Penninalpen – Cottische Alpen (Queyras / Monviso) – Seealpen.
61 Etappen durch drei Länder: Schweiz, Italien und Frankreich.
Von den Gletschern des Monte-Rosas zu den ruhigen Dörfern der Seealpen, führt der blaue Weg zum großen Teil auf die Grande Traversata delle Alpi durch die piemontesischen Alpen. In seinem nördlichen Teil folgt er den Spuren der Walser auf der italienisch-schweizerischen Grenzlinie. Dieses Volk besiedelte im 13. Jahrhundert, ausgehend vom hohen Rhonetal im heutigen Wallis, Hochtäler von Vorarlberg in Österreich bis zu den Südflanken des Monte-Rosas in Italien. Noch heute trifft man deutschsprachige Minderheiten bis in Gressoney im Aostatal.
Während die Walsergebiete von Kuhwirtschaft und Käseherstellung geprägt sind, werden Richtung Süden die Wiesen von Schafen beweidet: die Region ist heute noch ein Wandertierhaltungsgebiet für Tausende von Tieren, die jeden Sommer von der Provence und der Po-Ebene hochziehen. Die Via Alpina führt durch den südlichen Teil des Nationalparks Gran Paradiso, dem wildesten, letzten Zufluchtsort für die Steinböcke, die von hier aus in den ganzen Alpen wieder angesiedelt wurden.
Zwischen Susatal und Seealpen nähert sich der Weg der französischen Grenze und überquert sie einige Male. Er bietet zahlreiche Verbindungsmöglichkeiten mit dem roten Weg und den lokalen Wanderstrecken.
Um den Monviso herum, Wahrzeichen der Südalpen und Hochburg des Alpinismus, aus dessen Flanke der Po entspringt, haben die piemontesischen Täler im 20. Jahrhundert sehr unter der Auswanderung gelitten. Heute wird versucht, durch lokale Initiativen in grünen Tourismus und Nebenerwerb die verlassenen Dörfer wieder zu beleben.
Der blaue Weg der Via Alpina wechselt am Ende auf die französische Seite, um durch die ruhigsten Gebiete des Nationalparks Mercantour zum Dorf Sospel zu gelangen, wo er mit dem roten Weg zusammentrifft.
Quelle: Die Via Alpina, Pressemappe August 2003